Kamerakaufberatung

Unsere Neutralitätsgarantie: Ich erhalte keine Zuschüsse von Kameraherstellern, oder Softwareanbietern, schalte keine Werbung, verdiene nichts durch Verlinkungen und erhalte auch keine kostenlose Testgeräte. Diese Beratung ist daher nach meinem Kenntnisstand die einzige wirklich neutrale Beratung. Durch die Arbeit in der Fotoakademie konnte ich aber mittlerweile fast jedes Kameramodell  ausprobieren und spreche mit vielen Menschen über Ihre Erfahrungen und vor allem ihre Gründe, eine andere Kamera zu kaufen. Für Verbesserungen und Hinweise zu Fehlern bin ich dankbar und versuche, die Seite immer auf dem aktuellen Stand zu halten. Letzte Aktualisierung:  10.9.2018

 

 

 

 

Die perfekte immer-dabei-Kamera

Die meisten nutzen ihr Smartphone als Immer-dabei-Kamera. In der Theorie kostet die eingebaute Kamera nichts, wiegt nichts, benötigt weder einen eigenen Akku noch Speichermedien und erlaubt die Verwaltung und Bearbeitung der Bilder sowie den Upload in einem einzigen Gerät. In der Praxis ist die bessere Kamera des neueren Smartphone-Modells aber oft der Hauptgrund, überhaupt ein neues Smartphone zu kaufen. Und wenn man sich die Preise der Modelle mit den besten Kameras anschaut, handelt es sich aus fotografischer Perspektive schlicht um brutal überteuerte Spielzeuge. Im iPhone X erhält man die Kamera mit dem zweiten Objektiv nur in Kombination mit dem größeren Display, so dass es auch nicht mehr sehr handlich ist. Für teilweise weit über 1000€ erhält man also eine schlechte und unhandliche Kamera (und Apple bietet leider für den Preis noch nicht einmal einen funktionierenden Support und eine Gewährleistungsfrist, die gegen deutsches Recht verstößt, aber da muss jeder seine eigene Schmerzgrenze kennen.).

Smartphones verwenden kleine und daher billige Sensoren, die insbesondere in Innenräumen unscharfe Bilder mit unsauberen Farben liefern. Dann höre ich oft: "Ja, aber dafür, dass es nur mit dem Smartphone gemacht ist, ist es nicht schlecht!". Aber was soll das heißen, bei einem Gerät für teilweise über 1000€? Und warum macht man das Bild nicht mit einem Gerät, das billiger und besser ist? Es gibt tatsächlich diese Alternativen, die wenig Platz benötigen, eine erheblich bessere Bildqualität liefern und direktk ihre Bilder auf ein mobiles Gerät senden können, so dass man das Beste aus beiden Welten verwenden kann. Nicht zuletzt kann das Smartphone selbst kleiner bleiben - und man benötigt nicht so oft ein Neues, was wieder dem Umweltschutz zugute kommt.

Auch wenn die Immer-dabei-Kamera möglichst klein bleiben muss, sollte sie nach meiner Empfehlung folgende Kriterien erfüllen:

 

1. Die Kamera muss einen Objektivwechsel ermöglichen.

Wenn eine Kamera keine Objektivwechsel erlaubt, bedeutet jedes Staubkorn auf dem Sensor eine Reparatur, die schnell mehrere hundert Euro kostet und nicht als Garantiefall angesehen wird. Für die meisten Kompaktkameras und Smartphones bedeutet Staub auf dem Sensor - oder hinter der Linse - einen wirtschaftlichen Totalschaden oder permanenten Ärger. Dieses Problem betrifft alle Kameras und Smartphones, weil sie Luftaustausch ermöglichen müssen. Selbst wasserdichte Kameras müssen an den Dichtungen gereinigt und daher hin und wieder geöffnet werden. Dass man die Objektive wechseln kann, bedeutet nicht nur, dass sich der Sensor leicht reinigen lässt, sondern auch, dass man die Fähigkeiten der Kamera an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Wer eher Reportage-Aufnahmen im Alltag macht, wird mit einem Objektiv im leichten Weitwinkel-Bereich am besten beraten sein. People-Fotografen können ein kleines Teleobjektiv aufsetzen, andere benötigen vielleicht nur das Makroobjektiv. Und bei Bedarf kann man natürlich auch mal mehrere Objektive mitnehmen.

 

2. Sie sollte über einen APS-C- mindestens aber über einen Mikro-Four-Thirds-Sensor verfügen. Diesen hohen Maßstab kann man heute anlegen, weil selbst unter den kleinsten Kameras mit Wechseloptiken solche Sensoren angeboten werden.

 

3. Die Lichtstärke sollte auf keinen Fall schlechter als 4,0 sein - auch im Telebereich. Eine Offenblende von 5,6 ist unbrauchbar, weil man schon bei bedecktem Himmel schnell auf ISO 1600 und mehr kommt (bei vernünftigen Verschlusszeiten).

 

4. Sie muss Bilder im RAW-Format abspeichern können.

 

5. Die Bilder sollten über eine kostenlose App des Herstellers direkt auf das Smartphone übertragen werden können.

 

6. Sie sollte über ein Schwenkdisplay verfügen. Kaum ein anderes Feature erweitert den Handlungsspielraum mehr, und wer sich einmal an den Komfort gewöhnt hat, wird es nie mehr vermissen wollen.

 

Ein Kunststoffgehäuse ist für mich ein Vor- und kein Nachteil. Die Akku-Laufzeiten und zahllose Anschlüsse spielen bei diesem Kameratyp hingegen eine untergeordnete Rolle,

 

 

Wenn man unter den kleinsten Kameras die höchste Bildqualität haben möchte, gibt es derzeit kaum eine Alternative zu Modellen von

 

Fuji oder Olympus

 

Beide Hersteller haben sich auf eine Sensorgröße spezialisiert und bieten einen ausgewachsenen Objektivpark dafür an. Alle anderen großen Hersteller wie Sony, Nikon oder Canon siedeln die Kameras mit kleinen Sensoren immer im Amateursegment an und knausern dort an der Qualität. Wirklich Spaß machen diese Hersteller nur, wenn man im Vollformat arbeitet.

 

So eine Kamera ist nur dann eine wirkliche Immer-dabei-Kameras, wenn man kurze Festbrennweiten verwendet. Mit den entsprechenden Objektiven wird auch sie unhandlich. Diese Kamera ist mittlerweile so schnell und bietet eine so hohe Bildqualität, dass es im Privatbereich kaum Gründe für größere Modelle gibt.

 

 

Eine Kamera, wenn es darauf ankommt

 

Wenn die Ansprüche an AF-Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Handling und Video-Performance wachsen, genügt ein Einsteigermodell nicht mehr. Diese Kategorie ist keineswegs nur für Hochzeits- und Sportfotografen relevant sondern auch für alle, die viel und vor allem viel bewegte Motive fotografieren.

 

Wichtige Kriterien für den Kauf einer Kamera für den Einsatz:

 

1. Mindestens APS-C-Sensor, besser Vollformat

2. Super-schneller Hybrid-AF, um auch Videos von bewegten Motiven machen zu können

3. Leichter Zugriff auf alle wichtigen Einstellungen.

4. Hochwertiges Objektivsortiment.

5. Blitzschuh

6. Leicht zu transportieren

7. Schwenkdisplay. Wer einmal damit gearbeitet hat, wird nie mehr ohne fotografieren wollen.

8. Die Bilder sollten über eine kostenlose App des Herstellers direkt auf das Smartphone übertragen werden können.

9. Von Gewicht und Umfang muss die Kamera erfahrungsgemäß noch ins Handgepäck passen, weil sie sonst nicht genutzt wird.

10. Video-Auflösung am besten 4K, weil sogar iPad-Display heute schon mehr als Full HD anzeigen können.

11. Zwei Speicherkarten-Slots

12. Gegen Spritzwasser abgedichtete Bedienelemente

13. 5-Achsen-Bildstabilisierung.

14. Elektronischer Verschluss.

15. Spiegellose Kamera

 

Seit Nikon und Canon ihre spiegellosen Vollformat-Kameras vorgestellt haben, gilt die Spiegelreflexfotografie als Relikt. Neue Technik wird es in absehbarer Zeit ausschließlich in den spiegellosen Kameras geben. 

Allerdings haben beide ihren Kameras nur einen einzigen Speicherkartenslot zur Verfügung gestellt womit die Kameras für Profis derzeit noch unbrauchbar sind. Die Planungen für die nächsten zwei Jahre sehen zwar eine Reihe interessanter Objektive vor, bislang gibt es aber nur ein winziges Sortiment, das professionellen Ansprüchen nicht einmal anssatzweise genügt. Sony bietet einen AF mit deutlich mehr AF-Feldern, einen großen Objektivpark, zwei Kartenslots und einer riesigen Modellpalette, die wirklich keine Wünsche offen lässt und das zu einem vergleichbar günstigen Preis. Wer also jetzt sofort eine professionelle Kamera braucht, kann nur zwischen einer Sony-Vollformat oder einer Fuji mit APS-C-Sensor wählen.

 

Die interessantesten Modelle bieten derzeit Fuji und Sony. Sony legt den Schwerpunkt auf Video, was man sehr deutlich an der Auswahl an Objektiven ablesen kann, die vor allem im Zoom-Bereich gut aufgestellt sind und hier hochspezialisierte Funktionen bieten - die für den Normalanwender aber eher uninteressant sind. Das Angebot an hochwertigen Objektiven für das APS-C-Format ist allerdings auch bei Sony eingeschränkt, weil man sich hier eher auf das Vollformat der A7er und A9er-Reihe konzentriert. Fuji hat hingegen nicht nur Top-APS-C-Kameras sondern auch ein hervorragendes Angebot an Objektiven, zu dem auch die klassischen Profi-Formate und lichtstarken Festbrennweiten gehören.

Ob man bereit ist, das höhere Gewicht einer Vollformatausrüstung zu tragen oder lieber im APS-C-Format bleibt, ist Geschmackssache.

Eine Kamera im APS-C-format, die alle o.g. Kriterien perfekt erfüllt, ist die

 

Fuji X-H1

 

Da bereits das Kit-Objektiv relativ lichtstark ist und sowohl von der Bildqualität als auch der Verarbeitungsqualität keine Wünsche offen lässt, empfehle ich, zunachst einmal auszuprobieren, ob man damit nicht schon auskommt.

 

Die derzeit interessanteste Vollformatkamera ist die

 

Sony A7 III

 

Sie bietet nicht nur den schnellsten Autofokus, sondern auch den zuverlässigsten bei schlechtem Licht. Offenbar sind ihre Akkus so leistungsfähig, dass selbst bei Tageseinsätzen kaum Akkus gewechselt werden müssen. Kurz, sie schlägt die besten DSLRs auf dem eigenen Terrain und bietet darüber hinaus den Komfort einer spiegellosen Kamera wie Gesichtserkennung, absolut lautloses Auslösen, Belichtungsvorschau im Display etc.

Die verschiedenen Modelle der Sony Alpha 7 eignen sich mit mittleren und nicht zu lichtstarken Festbrennweiten ebenfalls als Freizeitkamera, durch den großen Sensor nehmen Gewicht und Preis der Ausrüstung aber rapide zu.

 

Für Sportfotografen gibt es hingegen kaum eine Alternative zu der

 

Sony A9

 

 

Natürlich kennt jeder seine eigenen Interessen, die folgenden zwei Tipps können aber helfen, die Ausrüstung klein und zweckmäßig zusammen zu stellen:

 

1. Spezialisierung

 

Geht eure Bilder durch und beobachtet, an welchen Bildern ihr am meisten Spaß habt. Oft entwickelt sich so ein Schwerpunkt erst nach einiger Zeit heraus, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass ihr auf Dauer nicht genau so leidenschaftlich Landschaften, Menschen, Tiere in freier Wildbahn, Sport und Makroaufnahmen macht. Spezialisierung bedeutet natürlich nicht, dass man nichts anderes fotografieren darf, sondern nur, dass man dafür nicht gleich gut ausgestattet ist - und eben mit einem 40mm Makro auskommt, wenn die Makrofotografie eben nicht der Schwerpunkt ist. Und wer Original-Zubehör kauft, kann Objektive oft mit relativ geringen Verlusten weiter verkaufen und seine Schwerpunkte immer wieder neu finden.

 

2. Den Foto-Alltag berücksichtigen

 

Mit "Alltag" meine ich die Wanderung, bei der ihr üblicherweise den Familienrucksack tragen müsst. Der verhindert nämlich, dass man einen Fotorucksack tragen kann. Und wenn ihr wisst, dass ihr Makro-Motive immer zufällig am Wegesrand entdeckt, aber erfahrungsgemäß keine Ausrüstung von über 1 Kg regelmäßig mitnehmen möchtet, braucht ihr trotz dieses Schwerpunktes nur ein kleines Makroobjektiv, auch wenn das im Test vielleicht nicht so brillant abschneidet wie das große.

Die Kunst besteht also darin, nicht nur seine Interessen sondern auch sein Fotoverhalten realistisch einschätzen zu können.

 

 

Exkurs: Wie groß sollte der Sensor sein?

 

Auflösung und Bildqualität einer Kamera machen sich erst in Vergrößerungen bemerkbar. Natürlich kann man am Rechner jedes Bild beliebig stark vergrößern, aber letztlich muss es dem tatsächlichen Anwendungszweck genügen. Wer seine Fotos privat nutzt, wird daher mit einem DX-Sensor vermutlich zufrieden sein. Einen Vollformat-Sensor benötigt man, wenn man für Kunden arbeitet, die entweder selbst anspruchsvolle Endverbraucher sind (Brautpaare) oder wenn man für kleine Unternehmen arbeitet, für die Bilder eine untergeordnete Rolle im Marketing spielen - und daher auch schlechtere Honorare zahlen. Mittelformatkameras braucht man für die Kunden, für die Bilder das vorrangige Marketingwerkzeug sind.

Wenn jemand einfach Spaß an hochauflösenden Bilden hat, kann eine Mittelformat-Kamera natürlich für jeden das Richtige sein, der sie sich leisten kann. Ich möchte nur zu bedenken geben, dass man die Leistungsfähigkeit des Sensors erst ab einer bestimmten Präsentations-Größe ausschöpfen kann. Wer seine Bilder also am Bildschirm oder in einem Fotobuch der üblichen Formate betrachtet, wird unter guten Lichtverhältnissen vermutlich keinen Unterschied zwischen der Aufnahme eines Smartphones und der einer Mittelformatkamera ausmachen können. Und größere Formate benötigt man eben in der Regel, um Bilder im öffentlichen oder halböffentlichen Rahmen zu zeigen, was aber durchaus auch bei einem repräsentativen Wohnzimmer der Fall sein kann.

 

 

Die Kamera für optimale Bildqualität

 

Sowohl für Landschaften, Werbung als auch für High-End-Portraits, also Sujets, bei denen es auf Bildqualität selbst in großen Präsentationsformaten ankommt, nicht aber auf Geschwindigkeit, würde ich den Schritt zu einer Mittelformatkamera empfehlen.

Ein leichtes Gerät mit hoher Alltagstauglichkeit ist die

 

Fuji GFX 50s

 

Wer bei der Bildqualität keine Kompromisse eingehen möchte, wählt eine

 

Phase One IQ3 100MP

 

Mit dem derzeit größten in Serie produzierten Sensor und 100 Megapixeln Auflösung.

 

Die Fuji hat einen im Vergleich mit anderen Mittelformat-Kameras schnellen Autofokus und wiegt nicht mehr als eine Vollformat-Kamera. Preislich liegt sie auf dem Niveau der teuersten DSLRs, übertrifft deren Bildqualität aber um Längen - insbesondere in den für Landschaftsfotografen so wichtigen Randbereichen.

Die Phase One bietet den größten Sensor überhaupt und bildet mit bis zu 100 Megapixeln die Speerspitze dessen, was heute mit Digitalfotografie möglich ist. Hinzu kommt ein gut sortierter Objektivpark und ein hauseigener RAW-Konverter, der so gut ist, dass viele ihn auch als Fremd-Konverter nutzen.

 

Wer braucht die Top-Modelle von Canon und Nikon? Ich bin überzeugt davon, dass diese Modelle in den nächsten Jahren schlichtweg aussterben oder nur noch für eine hauchdünne Nische von Extrem-Reportage-Fotografen interessant bleiben.

 

 

Kameras für Kinder

 

Eigentlich gilt alles, was ich bisher über Kameras gesagt habe natürlich auch für Kameras, die man Kindern geben möchte. Wieviel Geld man dafür ausgeben möchte und wie viel Sorgfalt man seinen Kindern in welchem Alter zutraut, können Eltern am besten einschätzen. Mein Tipp: wenn man nicht eine D5600 o.ä. kaufen möchte, würde ich nicht auf eine kleinere Kamera zurückgreifen, sondern lieber am Gebrauchtmarkt Ausschau nach einer D3300 halten. Außerdem ist die Bedienung einer Spiegelreflexkamera einfacher als bei Kompaktkameras, weil alles über Knöpfe und Drehrädchen direkt erreichbar ist, so dass Kinder mit ihnen leichter zurecht kommen als mit Kompaktkameras.

Die größere Herausforderung ist eher, was mit den ganzen Bildern (und Filmen!) geschehen soll, solange die Kinder keinen eigenen Computer haben. Hier ist ein familientauglicher Workflow notwendig, über den ich in den Newslettern informiert habe, das Thema würde an der Stelle aber zu weit führen.

 

Die richtige Software für den Anfang

 

Software für Fotografen dient vor allem der Verwaltung und Bearbeitung der Bilder.

Wer keine großen Ansprüche an diese Bereiche stellt und die Bildverwaltung und -bearbeitung mit möglichst einfachen Werkzeugen einrichten möchte, ist möglicherweise schon mit der kostenlosen Software "Fotos" von Apple zufrieden. Aber Achtung: die Bilder liegen dort in der Datei versteckt und sind für andere Programme unsichtbar. Auch die Möglichkeiten der RAW-Konvertierung sind sehr rudimentär.

Der beste RAW-Konverter ist in meinen Augen Capture One Pro 11. Insbesondere für Personen-Aufnahmen eignet sich Lightroom überhaupt nicht, sofern man nicht mit billigen Stilen arbeiten möchte.

Eine für die meisten befriedigende Alternative zu Photoshop (und erst Recht zu Photoshop Elements) ist Affinity Photo.